War es ein Ritter der sich in Kay niederlies?
Die Besiedlung des Gebietes rund um Kay und Tittmoning reicht schon früh zurück, wie einzelne Funde vorchristlicher Zeit belegen.
• Grabhügel im Stadtwald aus der späten Bronzezeit
• die Keltenschanze in Alterfing aus der Latènezeit und
• die ehemaligen römischen Gutshöfe (Villa rustica) in Kay/Mühlham, Ramsdorf und in Lanzing sowie der Römerstein in der Kirchenmauer von Kay.
Erste Nachweise
Als die Römer samt Gefolgschaft am Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. nach Süden zogen, war jedoch unser Gebiet nicht menschenleer, denn ein Teil der Bevölkerung blieb hier. Größere Gräberfelder aus dieser Zeit, also während der Völkerwanderungszeit und danach sind in der Umgebung zwar nur aus Waging, Törring und Fridolfing dokumentiert, aber einzelne Bestattungsplätze sind auch auf unserem Gebiet nachgewiesen.
Die frühesten schriftlichen Nachweise für Ansiedlungen finden sich aber erst in den Traditionsbüchern und Urkunden des Klosters Baumburg (1) (bei Altenmarkt) und Raitenhaslach (2) (bei Burghausen). In diesen alten Urbaren (Bestandslisten) sind die Grundherrschaften der Klöster verzeichnet.
Raitenhaslacher Traditionen (Urbar)
In den alten Büchern des Klosters Raitenhaslach ist im 12. Jahrhundert ein plebanus de Gehaie names Albertus verzeichnet. Die Übersetzung für die Bezeichnung plebanus, ist Pfarrer. Diese ursprüngliche Bezeichnung wandelte sich im Laufe des 12. Jahrhunderts (3). Pfarrer Albertus ist Pfarrer der St. Martin Kirche zu Kay, zu dessen Bezirk die Kirchen Törring, Salling und Meggenthal gehörten. Im Dorf Kay selbst besaß die Kirche (4) die meisten Güter. Das Widum und der Pfarrsitz lagen außerhalb des Dorfes (heute in Privatbesitz, Fam. Lang).
Der von 1214 bis nach 1259 beurkundete Miles Ortolfus in Gihai oder de Gahai und später in einer Urkunde von 1270 dort als Ortolfus de Gehai bezeichnet, geht sehr wahrscheinlich auch auf die heutige Ortschaft Kay zurück (4). Mit Miles (mittellateinisch) werden Personen im Ritterstand bezeichnet. Der Begriff bezeichnet eine Art Berufsstand. Die meisten Ritter galten ursprünglich aber nicht als Adelige, sondern gehörten bis in das 13. Jahrhundert hinein rechtlich zur Ministerialität, also zu den höheren Bediensteten des Salzburger Erzbischofs. Es gab freie aber auch unfreie Ritter. Von Ortolfus de Gehai und seinem Wirken in Kay gibt es leider keine weiteren Urkunden, die über seine Herkunft und sein Wirken berichten.
Baumburger Traditionen (Urbar)
In den Traditionsbüchern des Klosters Baumburg sind Anfang des 12. Jahrhunderts ein Wernhere (1124/25) und Rudbertus (1160) de Gehaie überliefert. Die genannten Ritter, stehen sehr wahrscheinlich mit den Kraiburgischen Ministerialen von Hag in Verbindung, ggf. sogar in einer verwandtschaftlichen Bindung, wie die Historikerin Reindel-Schedl erwähnt (4). Diese Familie besaß auch Güter im nahe gelegenen Salling.
Urkundliche Nachweise
In einer urkundlichen Niederschrift vom 29. September 1305 gibt ein „Pelay von dem Hage“ ein Hube zu Salling der Pfarrei Gehay an das Domkaptiel zu Salzburg als ein Seelgeräth. Damit ist auch die Existenz einer Pfarrei schon um diese Zeit sicher belegt, auch wenn über die Einrichtung der Pfarrei Kay wenig schriftlich überliefert ist, mit Ausnahme des erwähnten Pfarrers Albertus. Die Pfarreien von Salzburg, darunter die „Item Ecclesia in Ghay“ des damaligen Rualcapitels, zählten bis zur Wende des 16./17. Jahrhunderts zum Archidiaconatus Salzeburgensis und waren diesem unterstellt.
Im Jahr 1313 leistet ein Chunrad der Ghophe von Ghay dem Kloster Baumburg gegenüber Verzicht auf einen Acker zu Keisenherting (?). Ob dieser Chunrad dem örtlichen Adelsgeschlecht angehörte, ist bisher aber unsicher. In einer weiteren Urkunde vom 24. Dezember 1348, taucht der Name Gehay erneut auf. Die Mautner Friedrich Stephan und Johann zu Burghausen veräußerten ihre Veste zu Gehay an ihren Schwager Glan um 500 Pfund Pfennige.
Der Ursprünge des Namens
Für die Ortsbezeichnung Kay gibt es viele Deutungsversuche. Der Name leitet sich nach heutigem Wissenstand vom Namen Geheige oder Gehai ab. Diese alte Bezeichnung kommt mehrmals in Bayern und auch in Baden-Württemberg vor. Auch der Weiler Kaholz (südlich von Törring) soll ähnliche Wurzeln haben. Der Namensforscher Heinrich Gotthard deutet den Namen Gehai als Schonung, Wiese, Wald, Wasser oder das Gehegte. Im bayerischen Wörterbuch von Schmeller (6) wird der Name Gehai oder Kai von gehegtes Holz, Hegholz, gehegte Wiese oder gehegtes Fischwasser abgeleitet. Auch die Gemeinde Kay bezog sich 1949 bei der Beantragung des Gemeindewappens auf diese Erklärung (7). Die häufige Auslegung, dass es sich um ein ehemaliges Wildgehege oder Jagdgebiet des Salzburger Erzbischofs handelt, kann nicht belegt werden. Der Umbau der Tittmoninger Burg als erzbischöfliches Jagdschloss erfolgte erst im 16. Jahrhundert, als die Pfarrei Kay und Ortschaft (Gehai) schon längst bestand und in den oben aufgeführten Urbaren und Urkunden erwähnt wird. Zudem finden sich in der Forst- und Jagdliteratur zu unserer Gegend keinerlei Hinweise, die Kay als besonderes erzbischöfliches Jagd- oder Forstgebiet z.B. als Leibgehege beschreiben (8). Auch sind keine Forst- oder Jagdhäuser in der Ortschaft Kay oder nahem Umfeld bekannt. Waldaufseher, Wald- oder Forstwarte sind ebenfalls nicht zu finden und werden wesentlich später nur für die Weiler Guggenberg (Winkler), Meggenthal oder im benachbartem Grassach erwähnt.
Hinweise und Einzelnachweise
(1) Traditionsbuch von Baumburg, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, digitale Ausgabe in Bavarikon
(2) Traditionsbuch und Urkunden von Raitenhaslach
(3) Heinz Dopsch (1990). Die Notitia Arnonsis 788/90 – Vor 1200 Jahren entstand das älteste Salzburger Güterverzeichnis. Salzfass 24. Jahrgang Heft 1/1990, S. 8
(4) Helga Reindel-Schedl (1989), Historischer Atlas von Bayern, Laufen and der Salzach – die alt-salzburgischen Pflegegerichte Laufen, Staufeneck, Teisendorf, Tittmoning und Waging. S. 20
(5) Heinrich Gotthard (1884). Über die Ortsnamen in Oberbayern. S. 43
(6) Johann Andreas Schmeller (1821), Die Mundarten Bayerns, in der Fassung von 1872/77 von G Karl Frommann, Nachdruck 1985 Oldenbourg Verlag. Das Gehai, S. 1022.
(7) Südostkurier vom 29.07.1950
(8) Joseph Ernst von Koch-Sternfeld (1810). Historische-Statistische Übersicht des Forstwesens im Herzogthume Salzburg in Salzburg und Berchtesgaden, Bd. 2, S.165-218

