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22. September 2026
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Die Lanzinger Kirche St. Peter und Paul

By Gerhard Huber
Die Lanzinger Kirche St. Peter und Paul

Eine erste urkundliche Erwähnung des kleinen Weilers Lanzing mit einem Gutshof und drei Mühlen datiert auf das Jahr 963. Der dort aufgeführte Name Lanzinga leitet sich vom Personenname Lanzo ab. Bereits 1215 bis 1234 wird der heutige Name Lanzing verwendet.

Man vermutete lange, dass dort wo sich heute die Kirche befindet, ehemals eine Burg stand, die den Edelleuten von Lanzo gehört haben soll. Das Adelsgeschlecht verarmte um 1500 und kam auf die schiefe Bahn. Allerdings gibt es keine urkundlichen oder historische Belege, die dies bestätigen.

Bei Kirchenrenovierungen im Jahr fand man aber im Unterboden einige römische Befunde, weshalb man heute annimmt, dass dort schon während der römischen Zeit eine Vila rustica, also ein Gutshof, bestanden haben könnte. Einige wenige 100 m südöstlich ist ein weiterer Römischer Gutshof (Kay-Mühlham) und eine römischen Bestattungsstätte (Nekropole) am Exenberg belegt. Zudem fand man erst kürzlich eine keltische Viereckschanze der späten Latènezeit (Vorrömisch) bei Alterfing, die eine frühe Besiedelung des Gebietes um Lanzing dokumentieren.
Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass auf dem Standort des jetzigen Kirchenbaus schon eine hölzerne Vorgängerkirche oder Kapelle bestanden haben könnte.

Der Kirchenbau – Der jetzige Kirchenbau in Lanzing begann vermutlich schon ab Ende des 15. Jahrhunderts. Die Weihe der Kirche und dreier Altäre erfolgte dann im Jahr 1518 durch den Bischof von Chiemsee. Die Innenausstattung der Kirche hat sich vermutlich noch länger hingezögert. Auf der Emporbrüstung befindet sich eine Datierung mit der Jahreszahl 1525. Auch die Sakristei und Vorhalle im Süden ist wohl erst etwas später entstanden. Dier Kirche erfuhr insgesamt wenig Veränderungen. Die Lanzinger Kirche gehört mit ihrer Entstehung Ende des 15./Beginn des 16. Jahrhunderts zu den letzten spätgotischen Sakralbauten. Nur wenige Details lassen die tatsächliche Bauzeit und der Wandel der Architektur erkennen.

Innenausstattung – Der neugotische Hauptaltar mit zwei Flügeln trägt ein Bild des Künstlers A. Krommer, es stellt die beiden Kirchenpatrone dar – links den Apostel Paulus mit dem gestürztem Tempel des Artemiskult und rechts Apostel Petrus mit Fels und Kirche. Der jetzige Altar ist erst später entstanden und auf 1866 datiert. Die Seitenflügel tragen Gemälde der Hl. Katharina und des Hl. Johannes d.T. Der Hochaltar wurde vom Münchner Architekten Josef Grischt entworfen und war eine Spende des benachbarten Moierbauern in Lanzing (Maierbauer, heute/2026 Brunnmaier).
Bereits um 1700 wurden neue Seitenaltäre eingebaut. Die Altarbilder malte der Tittmoninger Künstler und Maler Anthoni Huber (Hamerer?). Das Bild des linken Altars, stellt die Anbetung der Heiligen Drei Könige dar und trägt die Signatur 1702. Der rechte Seitenaltar zeigt Mutter Anna mit Maria, darunter die Heiligen Drei Könige, die Heiligen Laurentius, Georg und Andreas sowie unten die Heilige Dorothea (mit Blumen), Barbara (mit Turm) und Elisabeth. In der Mitte des Altarbildes ganz unten befindet sich die Abbildung des Johannes von Jerusalem mit einem ausziehbaren Kreuz.

Architektur und Renovierungen – Der Kirchenbau setzt sich aus einem dreijochigem Langhaus und einen leicht eingezogenen Chor mit einem sogenannten 5/8 Schluss zusammen, über denen sich das durchgezogene Dach befindet. Die Ausbildung von liegenden Stühlen im Dachwerk ist ein typisches Kennzeichen für das frühe 16. Jahrhundert. Am Kirchendach sowie bei der Turmeindeckung hat sich die Scharschindeleindeckung erhalten. Im Jahr 1861 erfolgte die erste Restaurierung des Kirchenturms. Die letzte Renovierung  erfolgte in den Jahren 1980/81. Dabei wurden am Eingangsportal Wandbilder der Kirchenpatrone entdeckt.

Im Inneren überspannt ein Netzgewölbe beide Raumteile. An der Nordseite wurden keine Fenster eingebaut. Das Langhausgewölbe ist aus Sechsrautensternen gebildet. Der Chor hingegen zeigt ein ungewöhnliches Rippenbild mit leicht verzogenen Rauten.

Kanzel – Die Kanzel stammt aus dem 16. Jahrhundert und wird der Renaissance zugeschrieben. Die Kanzel wurde vom selben Künstler wir die Emporbrüstung gefertigt. Von der Kanzel hat sic der Kanzelkorb und der Treppenaufgang erhalten. Der polygonale Korb wird durch abgetreppte Pilaster in Felder eingeteilt. Die Brüstungen des Korbes und des Aufgangs sind mit geschnitzten und bemalten Ornamenten in Flachrelief gestaltet. Die Ornamente bestehen aus verschlungenen und eingerollten Bandmotiven, die Bänder sind weiß und mit goldenen Enden versehen. Am Korb tauchen hellblaue Blüten auf, am Aufgang wurde vergoldetes Astwerk hinzugefügt. Entstanden ist die Kanzel ebenfalls wie die Empore um 1525. Die Qualität der Ausführung wird als sehr hochwertig eingeschätzt.

Empore – Die Brüstungsfelder der Empore sowie die Kanzel sind bemalt mit Bandmotiven und mit der Jahreszahl 1525 datiert. Es handelt sich um bemalte Fachschnitzereien. Ein roter Rahmen und Ornamentleisten grenzen die zehn Felder voneinander ab. Zwei der Brüstungsfelder enthalten die Wappen des Salzburger Erzbischofs Matthäus Lang von Wellenburg (Lilie mit dem Kardinalshut) und das Wappen der bayerischen Wittelsbacher.  Das angrenzende Feld enthält verstreute, teilweise umgekehrte, griechische Schriftzeichen auf einem verschlungenen Band. an das dominierende Weiß fügen sich Pastelltöne an, die Vergoldung erfolgte vermutlich später.

Aussenbereich – Die Kirche in Lanzing ist von einer aus Tuffstein errichteten Kirchenmauer mit satteldachförmigen Tuffsteinabdeckplatten umgeben, wie sie in allen Kirchen der Pfarrei Kay zu finden sind. Die Mauer wird auf das 16/17. Jahrhundert datiert. Derzeit (2026) ist die Mauer einem starken Verfall preisgegeben. Innerhalb der Mauern befand sich auch der Friedhof. Leider ist darüber bisher wenig bekannt.

Im Jahr 1786 veranlasste das Kosistorium in Salzburg (Kirchenbehörde) die s.g. Nebenkirchen (Filialkirchen) der Pfarrei Kay auf ihren Erhaltungszustand zu überprüfen. Schließlich wurde mit Zustimmung des Kayer Pfarrers die Kirche in Salling abgetragen. Lanzing wollte man vorerst erhalten, um nicht zu viel Unmut in der Bevölkerung hervorzurufen.

Kirchenleben – Um 1800 wurden in der Lanzinger Kirche das Patrocinium gefeiert und Schauerämter abgehalten. Diese s.g. Schauerämter waren bis in die 1970iger noch Teil des kirchlichen Lebens. Dabei baten die Bauern um günstige Witterung und Schutz vor Unwetter, Hagel, Dürre und Frost.

Literatur

  • Gotthard Kießling, Dorit Reimann (2008). Denkmäler in Bayern – Landkreis Traunstein, Band I.22/2. Tittmoning/ Lanzing S. 784-785
  • Rainer Zimmermann (2022). Von der Raubritter Burg zum Gotteshaus. In Sommerpfarrbrief
  • Carl Erlacher (1975). Lanzing – Die Besitzer der Mühlen im 16. und 17. Jahrhundert. Das Salzfass, 9. Jahrgang/ Heft2, S. 41-52
  • Landkreis Traunstein (1996). Heimatbuch des Landkreises Traunstein – VI. Kunstgeschichtliche Denkmäler der Renaissance bis zur Gegenwart/ Kanzeln S. 200 und  S. 381.
  • Georg Wiesend (1844). Alte Schnitzwerke in der Kirche in Lanzing. Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte. 5. 1844, S. 133 ff.
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