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Die Schule in Kay bis 1900

By Gerhard Huber
Moierhof in Kay, erste Schule, Untergeschoß

Teil 1

Bereits seit dem Mittelalter gehörte die Bildung der Jugend zu den zentralen Aufgaben kirchlicher Einrichtungen (1). In der Stadt Salzburg bestand seit der Zeit Ruperts eine Klosterschule, später kam eine Domschule hinzu. Mit der Zeit entstanden in den Städten und Klöstern des Landes weitere Schulen, in denen sowohl auf Latein als auch auf Deutsch unterrichtet wurde (2).
Lateinschulen wurden bereits 1525 in der Salzburger Landesordnung gefordert. Für die ländliche Bevölkerung gewann das Schulwesen jedoch erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts an Bedeutung. Einen wichtigen Impuls gaben die Reformen und Beschlüsse der Salzburger Provinzialsynode im Jahr 1569, deren Umsetzung allerdings nur schleppend vorankam.
Ein bedeutender Schritt war schließlich die Einführung einer ersten allgemeinen Schulordnung für das gesamte Erzstift durch Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau im Jahr 1594. Sie diente als Anleitung für die „teutschen Schulmaister“ und regelte den Unterricht auf dem Land.

Schulentwicklung im nördlichen Rupertiwinkel
Für das heutige Gebiet des Rupertiwinkels nimmt Hans Roth für die Stadt Laufen bereits im 13. Jahrhundert das Bestehen einer Pfarrschule an (3). Eine erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1316. Im Visitationsprotokoll von Waging wird 1569 eine Schule erwähnt (4). Weitere „teutsche“ Landschulen entstanden 1580 in Palling (5), 1589 in Fridolfing und 1623 in Pietling (6). Laufen erhielt 1621 und Tittmoning 1633 eine zusätzliche Stiftschule (7). Über die Errichtung der Stadtschule in Tittmoning ist bisher wenig bekannt. Allerdings dürften die Anfänge vor 1600 anzunehmen sein. Bereits um 1707 wurde auch schon in Asten unterrichtet (8). Die ehemalige Gemeinde Törring, erhielt eine Schule erst im Jahr 1878 (9) .

Die Anfänge in Kay
Im Jahr 1615 bittet der Kayer Pfarrer Johann Wieser beim Salzburger Konsistorium einen Schullehrer anstellen zu dürfen (10). Großen Einfluss hatte dabei sicherlich die bereits erwähnte erste Schulordnung des Erzstifts und die ersten Schulen in den benachbarten Pfarreien. Wie den Kirchenakten zu entnehmen ist, wollte das Salzburger Konsistorium allerdings wissen, wovon der Lehrer in Kay bezahlt werden solle. Pfarrer Wieser antwortete, dass die Filialkirchen und die Pfarrkirche St. Martin die Gelder aus ihren Einnahmen bereitstellen und der Lehrer gleichzeitig den Mesnerdienst übernehmen könne. Der amtierende Mesner beschwerte sich daraufhin und bat inständig darum seine Stelle als Mesner behalten zu dürfen. Die Anstellung eines eigenen Lehrers wurde schließlich genehmigt und der Mesner im Amt belassen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein geregelter Schulbetrieb nicht umgesetzt werden konnte, da Pfarren Wieser schon 1619 die Pfarrstelle in Kay verließ oder starb. In den Akten finden sich keinerlei Belege. Zudem kam es in den 30iger Jahren zu einem großen Bevölkerungsrückgang durch die Pest in Kay und Mühlham.
Erst über 100 Jahre später im März 1720 beantragte Pfarrer Johann Babtist Perwein erneut die Einstellung eines Schullehrers (11). Der Tittmoninger Dechant Sebastian Mayer lehnte allerdings die Einrichtung einer eigenen Schule in Kay ab, ebenso der Tittmoninger Schulmeister Fallwickel mit dem Einwand, „Die Kinder des Pfarrdorfs Kay sollten weiterhin die Schule in Tittmoning besuchen“ (12). Perwein ließ aber nicht locker. In seiner Begründung gegenüber dem Konsistorium schreibt er: „ein hehgst Nothwendikeit ist, die schlipfrige Jugend im Zaum zu halten“. Ferner sollte der Schulhalter auch die Kirchen-Zechpröbste unterstützen, die weder lesen noch schreiben können. Trotz der vorgebrachten Bedenken genehmigte der Erzbischof im Frühjahr 1721 den Antrag.
Simon Stadler aus Fridolfing, der Sohn des dortigen Schulmeisters wurde der erste Lehrer im Pfarrdorf Kay (13). Neben seinem Schuldienst war er auch Organist und Pfarrschreiber. Wann genau mit dem Schulunterricht begonnen wurde, wie viele Kinder den Unterricht besuchten und in welchem Gebäude in Kay das Klassenzimmer eingerichtet wurde, ist in den Akten nicht vermerkt. Aber 1731 wird die Schule in den kirchlichen Schreiben bereits erwähnt.
Aus den Kirchenakten (14) geht auch hervor, dass bereits 1736 ein „Schuallhaus“ gebaut werden sollte (Abb). Hierzu wurden mehrere Angebote von den örtlichen Handwerkern eingeholt und vom Burg- und Hausmeister zu Tittmoning begutachtet. Die Kostenschätzungen beliefen sich auf etwas mehr als 200 Gulden. Bisher ist aber der Bau des Schulhauses und ein Gebäudestandort aus dieser Zeit nicht nachgewiesen.
Am 20. September 1742 stirbt der erste bezeugte Schullehrer Simon Stadler (15) im Alter von 53 Jahren. Auf ihn folgt sein Sohn Christoph Stadler. Die Weitergabe der Schulmeisterstelle an die Söhne war in dieser Zeit durchaus üblich. Da es keine Lehrerausbildung gab, konnte jeder diese Aufgabe übernehmen, der lesen, schreiben und rechnen konnte. Allerdings musste von den Lehrern im Erzstift Salzburg das katholische Glaubensbekenntnis ablegt werden (16).
Christoph Stadler erhielt seine Lehrerbestellung mit Schreiben am 2. Dezember 1742, allerdings mit der Auflage, dass er sich nicht verehelichen darf, solange er seine 9 Jahre jüngere Schwester versorgen muss (17). Doch schon 1745 gibt es mit dem neuen Lehrer Schwierigkeiten wegen seiner weit entfernten Wohnung in Bergham und seinem „bösen Weib“, wie der Kayer Pfarrer Joly in einem Schreiben erwähnte (18). Wie es weitergeht mit Christoph Stadler, ist den Akten leider nicht zu entnehmen. Sein Gehalt als Lehrer betrug 71 Gulden und einige wenige Nebeneinnahmen, als Orgelspieler und Pfarrschreiber. Im Jahr 1779 starb der alte Lehrer.
Den Schulunterricht übernahm der 60-jährige Mathias Stadler, der 1787 stirbt (19). Im Sterbebuch der Pfarrei Kay ist er als „Schulmaister“ und Organist verzeichnet. Im Jahr 1785 besuchten 30 Schüler den Unterricht (20).

Bis 1779 versah Mathias Miesenböck den Mesnerdienst. Er hatte in den Moierhof in Kay eingeheiratet und sich mit der Witwe Katharina Erlacher verehelicht. Deren Sohn, der erst 15-jährige Johann Nepomuk Miesenböck (*1772) bewarb sich im Februar 1787 um die vakante Lehrerstelle. Aufgrund seines jungen Alters hatte das Salzburger Konsistorium allerdings große Bedenken. Miesenböck erhielt die Schulmeisterstelle in Kay deshalb erst 1790, nachdem er beim Schullehrer Philipp Schmidhuber in Tittmoning praktizierte (Abb) und das Schulseminar in Salzburg besuchte. Das Schulseminar wurde 1790 von Franz Michael Vierthaler (21) im Auftrag von Erzbischof Coloredo in Salzburg eingerichtet. Es sollte die jungen Lehrer für ihre schulischen Aufgaben vorbereiten und die Qualität des Unterrichts verbessern. Das Schulseminar war der Beginn der Lehrerausbildung im Erzstift. Die Absolventen wurden als „Seminaristen“ bezeichnet (22). Johann Nepomuk Miesenböck war also einer der ersten, der das Seminar in Salzburg besuchte. Während der Lehrervakanz von 1887 bis 1890 dürfte wohl kirchliches Personal oder der Mesmer ausgeholfen haben.

Der Unterrichtsraum in Kay befand sich jetzt im Haus von Lehrer Miesenböck selber, im Moierhof mit der Haus-Nr. 12 (Titelbild). Der darin befindliche Unterrichtsraum war mit 23 mal 15 Schuh (7,3 x 4,7 m) genügend groß, um die Schüler zu unterrichten, wie aus dem Visitationsprotokoll der kirchlichen Schulaufsicht zu entnehmen ist.

Auflösung des Erzstiftes – Die Schulreformen des Königreichs Bayerns
Die Napoleonischen Kriege und die Säkularisation ab 1803 veränderten die Zuständigkeiten im Erzstift Salzburg massiv. Die ländlichen Gebiete litten unter den ständigen Durchzügen der österreichischen, bayerischen oder französischen Truppen. Es überrascht deshalb, dass sich das Schulwesen dennoch weiterentwickelte. Auch die Schülerzahl in Kay stieg im Jahr 1804 auf 42 Kinder und im ehemaligen Gebiet des Erzstiftes gab es 1808 bereits 300 Schulen mit über 9.000 Schulkindern (23).

In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wurde das Schulwesen in Bayern und Österreich verbessert und stetig weiterentwickelt (24). Ab 1802/03 kam es daher in Bayern zu grundlegenden Reformen. Obwohl die katholische Kirche die Reformen ablehnte, wurden die Schulen unter staatliche Kontrolle gestellt. Die bayerischen Schulreformen sind auch im engen Zusammenhang mit der staatlichen Modernisierung zu sehen, die Staatsminister Maximilian Joseph von Montgelas in Bayern umsetzte (25). Als das ehemalige Erzstift Salzburg dann im Dezember 1810 an das Königreich Bayern fiel, wurden die geltenden bayerischen Schulreformen zügig im neu gewonnenen Staatsgebiet umgesetzt. So mussten gemäß einem königlichen Erlass auch die österreichischen Schulbücher ab Ende 1811 entfernt werden.

Für Kinder vom 6. bis zum 12. Lebensjahr wurde der generelle Schulzwang eingeführt, wie sie im übrigen Bayern schon seit 1802 gültig waren. Wer seine Kinder nicht in die Schule schickte, konnte mit Geldstrafen geahndet werden. Allerdings konnten diese staatlichen Ansätze einer „Schulpflicht“ noch nicht überall konsequent umgesetzt werden, da es mancherorts gar keine Schulen gab oder es an Lehrern mangelte. An der Schule in Kay sind zwar keine Verstöße aktenkundig, aber es ist sicherlich anzunehmen, dass nicht alle schulpflichtigen Kinder die Schule regelmäßig besuchten. Die örtliche Schulaufsicht in den Volksschulen verblieb trotzt staatlicher Kontrolle noch bis 1919 überwiegend in den Händen der Ortsgeistlichen, wie auch in der Gemeinde Kay.

Am 2. Januar 1811 wurde auch die Feiertagsschule – dem Vorläufer der Berufsschule – im Anschluss an die 6-jährige Volksschule eingeführt. Ab 1813 musste dafür ein Schulgeld in Höhe von 12 Kreuzer pro Vierteljahr entrichtet werden. Die Einführung führte zu großem Unmut in der Landbevölkerung, da es für arme Elternhäuser kaum möglich war, das Schulgeld aufzubringen. Pfarrer Pichler in Kay übernahm deshalb für die armen Schulkinder die Kosten für das Schulgeld und die Schulbücher. 1812 wurden auch halbjährliche Prüfungen verpflichtend eingeführt. Davor gab es an den Schulen bis auf wenige Ausnahmen keine Schulprüfungen oder Formen einer Benotung.

Mit den Regelungen zur staatlichen Kontrolle wurde auch der Unterhalt für die Schulen neu geregelt. Sie wurde den nun neu geschaffenen Gemeinden übertragen. Für die Schule in Kay wurden die finanziellen Aufwendungen zunächst noch von der örtlichen Bevölkerung und den Pfarr- und Filialkirchenstiftungen aufgebracht (26). Erst später wurde ein lokaler Schulfond (27) eingerichtet. An vielen Schulen mussten für die winterliche Beheizung der Klassenräume wöchentlich ein Scheit Holz mitgebracht werden oder die Lehrer mussten dafür aufkommen. Dies führte immer wieder zu erheblichen Problemen, weshalb die Beheizung der Klassenräume ab 1812 den Gemeinden übertragen wurde (28) .

Einführung der Schulinspektion
Im ehemaligen Erzstift Salzburg gab es nur unregelmäßige Schulvisitationen, die im Rahmen der Pfarreibesuche erledigt wurden. Ab 1811 wurde in jedem Landgericht eine Distrikt-Schulinspektion eingerichtet, dem Vorläufern des staatlichen Schulamtes. Im Landgericht Tittmoning wurde das Dekanat in Tittmoning dafür zuständig. Die Leitung der Distrikt-Schulinspektion wurde besonders befähigten Pfarrern aus dem Dekanat übertragen. Auch mehrere Pfarrer in Kay hatten dieses Amt inne: Andreas Eusebius Steinbichler, Johann Baptist Götze und Bartholomäus Greissl. Sie waren von 1822 bis 1882 mit einer kurzen Unterbrechung von 1859 bis 1863 mit dem Amt betraut. Für den Schulbetrieb und die Qualität des Unterrichts an der Schule in Kay hatte dies sicherlich großen Einfluss. An jeder Schule gab es nunmehr auch eine lokale Schulinspektion. Sie bestand aus dem zuständigen Pfarrer und dem jeweiligen Gemeindevorsteher, der für den Unterhalt der Schule verantwortlich war.

Die Schulentwicklung in Kay nach 1810
Der bayerischen Schulstatistik von 1811 ist zu entnehmen, dass in der Gemeinde Kay 137 Familien mit 55 schulpflichtigen Kindern wohnten, von denen allerdings nur 34 die Schule besuchten. Zusammen mit den Kindern aus den benachbarten Gemeinden, betreute Lehrer Johann Nepomuk Miesenböck jedoch insgesamt 70 Schulkinder.
Da nunmehr der genutzte Schulraum für die vielen Schüler nicht mehr ausreichte, fasste die Gemeinde Kay im Jahr 1818 den Beschluss ein eigenes Schulhaus zu errichten. Das im selben Jahr erlassene „Allgemeinen Landrecht für das Königreich Bayern“, indem erstmals das Recht auf Schulbildung für alle Kinder festgelegt wurde, war sicherlich auch ein Grund. Mit dem Bau des neuen Schul- und Mesnerhaus am Standort der jetzigen Raiffeisen-Volksbank Gebäudes konnte allerdings erst 1826 unter dem Gemeindevorsteher Franz Lebacher aus Mayerhofen begonnen werden. Den Baugrund und die Hälfte der Baukosten wurden seitens der Kirche aufgebracht. Der Baugrund östlich der Kirche stammte von Mathias Wimmer, dem Besitzer des Herzoggütl in Kay. Der langjährige Lehrer Johann Nepomuk Miesenböck, in dessen Haus sich das bisherige Schulzimmer befand, unterstützte das Vorhaben mit 100 Gulden.

Der Schulbesuch musste immer noch von den Eltern bezahlt werden. Wie die Zusammenstellung der Schulvisitation für die Jahre 1822 bis 1831 zeigt, kostete der Besuch der Werktagsschule pro Jahr und Schüler 1 Gulden und 36 Kreutzer und der Besuch der Feiertagsschule 48 Kreutzer. Die Durchschnittseinahmen der Gemeinde beliefen sich auf ca. 190 Gulden pro Jahr, was für die Besoldung des Lehrers und dem Unterhalt der Schule nicht ausreichte.

Im Jahr 1832 wird Johann Baptist Miesenböck (*28.08.1805, Abb.4), der Sohn des bisherigen Schullehrers, zum Schullehrer, Organisten und Meßner in Kay ernannt (29). Er ist zugleich auch Kirchenpfleger und Gemeindeschreiber. Im Jahr 1836 unterrichtete er insgesamt 87 Werktagschüler. Sein Verdienst betrug mit Nebeneinkünften als Organist und Gemeindeschreiber jährlich 414 Gulden (fl). Sein Einkommen lag schon über dem gesetzlichen Minimum von 300 Gulden. Die Besoldung der Lehrer war im Vergleich zu anderen Berufen aber dennoch sehr bescheiden, auch wenn Lehrer Miesenböck schon zu den besserverdienenden Lehrern im Königreich Bayern zählte (30). So war Lehrer Miesenböck, wie die meisten Lehrer dieser Zeit auf weitere Einkünfte angewiesen. Er betrieb deshalb zur Aufbesserung seines Gehaltes in seinem Anwesen eine Knochenmühle (31). Im Jahr 1853 wird Lehrer Miesenböck in die höchste bayerische Lehrer-Klasse erhoben (befördert). Doch schon im November 1856 starb er, wie aus der Todesanzeige seiner Frau ersichtlich ist.

Am 4. März 1857 übernahm Michael Bernstetter aus Gainsdorf die Schul-, Organisten- und Mesnerstelle. Sein Lohn betrug immer noch 414 Gulden wie 20 Jahre zuvor. Das Schulentlassungszeugnis (Abb) vom 30. November 1859 der fünfzehnjährigen Elisabeth Sinzinger, die beim „Liaslmüller“ in Mühlham wohnte, ist von Bernstetter unterschrieben. Auf dem Zeugnis sind zwar keine Fachkundefächer aufgeführt, allerdings gibt es schon ein Fach „nützliche Kenntnisse“. Die ersten offiziellen Kreislehrpläne (Volksschullehrpläne)(32) in Oberbayern, in denen sachkundliche Fächer vorgesehen waren, wurden erst ab dem Jahr 1862 eingeführt. Ab 1856 erhöhte sich die Schulpflicht in Bayern auf 7 Jahre (33) .

Zum Schuljahr 1867 sind an der Schule in Kay insgesamt 73 Werktags- und 29 Feiertagsschüler gemeldet. Lehrer Bernstetter musste wegen Dienstunfähigkeit im hohen Alter von 71 Jahren in den Ruhestand versetzt werden (34). Die Lehrerstelle wurde jedoch nach wenigen Monaten am 19. Mai 1873 mit Mathias Grünbauer aus Berbling wieder besetzt . Er verstarb jedoch unerwartet schon 2 Jahre später (36).
Während der Regentschaft von König Ludwig II. wurde 1871 das erste Bayerische Volkschulgesetz erlassen. Es beinhaltete detaillierte Regelungen des gesamten Schulbetriebes und die verbindliche Schulpflicht an Volkschulen ab 1873.

Im Jahr 1875 wurde das alte Schulhaus in Kay um ein Stockwerk vergrößert und 1878 eingeweiht. Die Baukosten beliefen sich nach Abzug der Hand- und Spanndienste auf 22.000 Mark, die sich die Gemeinde und die Kirche teilten. Das alte, der Kirchenstiftung gehörige Mesnerhaus wurde der Gemeinde schenkungsweise überlassen.
Ab 1876 ist Leopold Lang (Abb) als sogenannter Hauptlehrer in Kay tätig. Der gebürtige Trostberger war seit 1867 zunächst im Schuldienst in Kirchanschöring eingesetzt, bevor er sich auf die Schullehrerstelle in Kay bewarb. Er ist einer der wenigen Ehrenbürger der ehemaligen Gemeinde Kay. Wie die Statistik der Pfarrei von 1884 ausweist, stiegen nun aufgrund der streng kontrollierten Schulpflicht die Schülerzahlen auf 112 Werktags- und 34 Feiertagsschüler an.

Wie das Königliche Kreis-Amtsblatt von Oberbayern berichtete, bestand der Schulsprengel Kay aus der politischen Gemeinde Kay und aus einigen Ortschaften und Weilern von Törring. Für das Jahr 1891 wird abermals vermerkt, dass die Schulräume für die steigende Schülerzahl nicht mehr ausreichten. Die Gemeinde plante deshalb den Bau eines neuen Schulhauses mit Lehrerwohnung sowie den Ausbau eines Zimmers im bestehenden alten Schulhaus für den Hilfslehrer (37). Ab wann eine zweite Lehrkraft an der Schule in Kay Unterricht erteilte, kann noch nicht genau datiert werden. Sicher nachgewiesen ist Lehrer Joseph Hopf ab dem Jahr 1896.

Das zuständige Bezirksamt Laufen (vgl. Landratsamt) genehmigte den Neubau. Allerdings zunächst mit der Auflage, dass aufgrund des Steueraufkommens von Kay eine Schulumlage von den Gemeindebürgern erhoben werden muss. Zusätzlich sollte ein Kredit von 4.400 Mark mit einer Laufzeit von drei Jahren aufgenommen werden. Da das Steueraufkommen von Kay jedoch als zu gering eingeschätzt wurde und die Gemeinde bereits übermäßig durch den Grunderwerb beim Bau der Lokalbahn nach Tittmoning belastet war, genehmigte das Bezirksamt schließlich einen Bauzuschuss in Höhe von 9.019 Mark.
Die neue Lehrerwohnung im Schulhaus war geräumig und umfasste insgesamt 9 Zimmer, wovon 6 beheizbar waren. Zudem wurden dem Lehrer sogenannte Dienstgründe (Garten, 0.31 Tagwerk) überlassen, wie dem Schematismus des Lehrpersonals zu entnehmen ist. Für den Hilfslehrer Joseph Hopf, stand lediglich ein beheizbarer Raum im alten Schulhaus zur Verfügung. Der jährliche Verdienst von Lehrer Leopold Langs betrug 762 Mark und 94 Mark als Gemeindeschreiber. Lehrer Hopf verfügte über ein Einkommen von 343 Mark. Im Jahr 1896 stiegen die Schülerzahlen erneut an auf insgesamt 184 Schüler (134 Werktags- und 50 Feiertagsschüler).

Fortsetzung siehe Teil 2

Literatur und Quellen

(1) Hans Roth, Schulwesen in Laufen bis 1816, in Laufen und Oberndorf 1998
(2) Franz Anthaller (1879). Rede über die salzburgischen Schulzustände vor hundert Jahren, gehalten bei der Lehrerversammlung am 14. Mai D. J. zur Erinnerung an das abgelaufene Dezennium der neuen österreichischen Schulgesetze. Salzburg, Selbstverlag
(3) Hans Roth, Schulwesen in Laufen bis 1816, in Laufen und Oberndorf 1998
(4) Die Entwicklung des Schulwesens in Waging von den Anfängen bis 1800, Wolfgang Mühlbacher, 1970, in Salzfass, Jg. 4, Heft 3, S. 72 ff.
(5) Geschichte der Pfarrei Palling, Heinrich Held, 1909, S. 155
(6) 400 Jahre Schule in Fridolfing, Karin Obermayer im Heimatbuch Fridolfing, 2002, S. 323 ff.
(7) Matthias Rumpler (1803). Geschichte des Schulwesens in Salzburg, S. 75
(8) Alois Asenkerschbaumer (2016). Geschichte der Schule Asten, im Heimatbuch der ehemaligen Gemeinde Asten S.112
(9) Bayerische Lehrerzeitung. 13.1879
(10) Kirchenarchiv Kay
(11) Schreiben des Konsistoriums von Salzburg Kirchenarchiv – AB001/3, PfarrA10675 – Anstellung, Unterbringung und das Verhalten der Schullehrer von Kay – (1636), 1707-1721, 1736-1745
(12) Fritz Pinzinger (2008). Schulgeschichte von Kay beginnt im Jahr 1721. Südostbayerische Rundschauf, Ausgabe vom 15.09.2008
(13) Eintrag Taufbuch der Pfarrei Fridolfing, Simon Stadler, „Sohn des Schulmaisters“.
(14) Kirchenarchiv Bistum München Freising AB001/3, PfarrA10675
(15) Sterbebucheintrag der Pfarrei Kay St. Martin 20. September 1742/S.339, Schulmaister zu Kay
(16) Franz Anthaller (1879). Rede über die salzburgischen Schulzustände vor hundert Jahren. S 14
(17) Schreiben des Konsistoriums von Salzburg vom 16. 9briz (=September) 1742, Kirchenarchiv – AB001/3, PfarrA10675 – Anstellung, Unterbringung und der Verhalten der Schullehrer von Kay – (1636), 1707-1721, 1736-1745
(18) Sterbebuch-Eintrag der Pfarrei Kay St. Martin 1745/ S.366. Christoph Stadler Organist und Schullhalter in Kay
(19) Sterbebuch-Eintrag der Pfarrei Kay St. Martin am 26.Feb. 1787: Mathias Stadler Schullmaister und Organist alda, Kirchenarchiv CB190, M3479 , S. 6
(20) Intelligenzblatt von Salzburg,28. 07.1804, Zustand des Schulwesens in Salzburg
(21) Hans Roth, Schulwesen in Laufen bis 1816, in Laufen und Oberndorf 1998
(22) Intelligenzblatt von Salzburg. 28.07.1804. Jahrgang 5
(23) Intelligenzblatt von Salzburg, 28.07.1804, Zustand des Schulwesens in Salzburg
(24) Max Spindler (1978). Das Schulwesen in Bayerische Geschichte, Seite 950ff, zweiter Teilband.
(25) Montgelas. Wie Bayern zum modernen Staat wurde, BR2 Radiowissen 2015
(26) Fritz Pinzinger, Südostbayerische Rundschau
(27) Fritz Pinzinger, Südostbayerische Rundschau
(28) Königlich Baierisches Salzach Kreis-Blatt, Stück 94, Salzburg den 23. November 1812
(29)  Bayerische Landbötin, 1832, Ausgabe 11.10.1832, und der Wittwen und Waisenfreund. 28.1853
(30) Max Liedthke (1993). Handbuch der Geschichte des Bayerischen Schulwesens, Band II, S. 138
(31) Zentralblatt des Landwirtschaftlichen Vereins Bayern, 1848
(32) Max Spindler (1978). Das Schulwesen in Bayerische Geschichte, S. 968
(33) Max Spindler (1978). Das Schulwesen in Bayerische Geschichte, S. 965
(34) Kreis-Amtsblatt von Oberbayern, 1873
(35) Kreis-Amtsblatt von Oberbayern, 1873
(36) Bayerische Lehrerzeitung, 10.1876
(37) Königliches Kreis Amtsblatt von Oberbayern, 1892

  • Skizze Schulhausbau 1736
  • Lehrer Johann Babtist Miesenböck
  • Zeugnis 1859 Elisabeth Sinzinger (Mühlham)
  • Praktikumsnachweis Johann Miesenböck
  • Lehrer Leopold Lang

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