Der Brandlhof besteht nachweisbar schon seit Beginn des 17. Jahrhunderts, wahrscheinlich ist er aber schon wesentlich älter. Aufgrund seines historischen Aufbaus wurde das Wohngebäude Mitte der 70iger Jahre abgetragen und beim Freilichtmuseum Glentleiten eingelagert. Dadurch gibt es für den alten Hof eine wissenschaftliche Dokumentation über den Aufbau und ältere Bilder, die vom Besitzer Johann Gierlinger bereitgestellt wurden. Ein Wiederaufbau des Wohnhauses auf der Glentleiten ist derzeit noch nicht geplant.
Der Hausname geht auf den Besitzer Michael Brandl zurück, der seit 1612 den Hof bewirtschaftete. Er und seine Nachfolger sind im Familienbuch der Pfarrei Kay genau dokumentiert. Er heiratete Magdalena mit der er 11 Kinder hatte. Sie verstarb aber schon 1634, kurz nach der Geburt ihrer jüngsten Tochter Katharina (*1633). Der Witwer Michael Brandl heiratete dann erneut eine Maria ?. Mit Ihr hatte er drei Kinder.
Der Hof wurde 1662 an den Sohn Georg Brandl (*1637 +1677), der aus der zweiten Ehe stammt, übergeben. Georg heiratete Anna Huber (*1642 +1702) aus Murschall. Die Familie war ebenfalls sehr kinderreich, sie hatten neun Kinder. Nach dem Tod von Georg Brandl im Jahr 1677 bewirtschaftete die Witwe Anna den Hof bis zu ihrem Tod im Jahr 1702.
1703 übernahm Sohn Mathias Brandl (*1675 + 1708). Er vermählte sich mit Gertraud Stief (*1682 +1756). Aus der Ehe sind vier Kinder bekannt. Hoferbin wurde nach dem frühen Tod des Hofbesitzers 1708 die Witwe Gertraud Brandl (geborene Stief). Sie heiratete einen Vitus Eder (*1682, +1746), aus der Ehe gingen 12 Kinder hervor.
Im Jahr 1746 übernahm Sohn Georg Eder (*1720 +1809) das Anwesen. Er heiratet im selben Jahr Maria Helmberger (*1725 +1772) aus dem Huberhof in Ollerding. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor.
Georg Eder übergab erst im hohen Alter von 89 Jahren im Jahr 1810 das Anwesen an seinen Sohn Rupert Eder (*1760 +1837), er heiratete im Jahr 1810 die Bauerstochter Maria Muhr (*1775 +1840) aus Linherting (Linerding bei Gramsam). Mit ihr hatte er drei Kinder. Maria gebar ihr erstes Kind erst im Alter von 35 Jahren.
Die sehr späte Hofübergabe ist sehr ungewöhnlich. Die unsicheren Zeiten während der Napoleonischen Kriege und der Ausplünderung der Höfe bei den Durchzügen der verfeindeten Truppen, die ständigen Wechsel der Herrscher sind wahrscheinliche Ursachen hierfür. Es könnte aber auch sein, dass die als Hoferben vorgesehenen Söhne als Soldaten dienen mussten oder aber zu Tode kamen. Die Hofübergabe erfolgte schließlich im Jahr 1810 als das Herzogtum Salzburg an Bayern fiel.
Der Vierseithof wurde 1840 an die Tochter Katharina Eder (*1816 +1895) vererbt. Die beiden Geschwister Mathias und Georg verstarben schon sehr früh in den Jahren 1811 und 1813. Katharina blieb zeitlebens ledig und ohne Kinder. Im Alter von 79 Jahren (1891) verkaufte sie das Anwesen an ihre Nachbarn Georg und Notburga Lechner, die den Kramlhof direkt daneben bewirtschafteten. Der Preis für das Anwesen betrug 11.750 Mark.
Die Kramltochter Helena Lechner (*1884 +) heiratete im Jahr 1905 den Bauersohn Johann Gierlinger (*1879 + 1961) aus Gierling. Als Mitgift erhielten sie den Brandlhof. Sie hatten zusammen drei Kinder.
Der Sohn Johann Gierlinger (*1905) übernahm 1936 das Anwesen von den Eltern. Er heiratetet Maria Hinterwinkler (*1908) aus Oberkobeln (Pfarrei Winhöring). Sie hatten ebenfalls drei Kinder.
Im Jahr 1968 übernahm dann der Sohn Johann (Hans) Gierlinger das Anwesen.
Hofentwicklung
Nach der bayerischen Hofeinteilung wurde der Brandlhof als „halber Hof“ geführt. Um 1850 umfasste er eine Fläche von ca. 90 Tagwerken (30,88 ha). Davon waren 48 Tagwerk Acker, 32 Tagwerk Wiese und 11 Tagwerk Wald. Im Jahr 1862 verkaufte Katharina Eder 7 Tagwerk Wiese und 3 Tagwerk Acker zum Preis von 1.608 Gulden. Der Verkaufspreis des Hofes im Jahr 1891 mit einer Fläche von ca. 27 ha betrug 11.750 Mark. Katharina verblieb aber am Brandlhof. Sie vereinbarte ein lebenslanges Wohnrecht (Insitzrecht) im Wohnhaus Nr. 19 und eine jährliche Unterhaltszahlung von 180 M. Im Kaufpreis inbegriffen war der vorhandene Viehbestand und das Inventar wie Maschinen, Möbel und sonstige Gerätschaften auf dem Hof. Einige persönliche Dinge waren jedoch davon ausgenommen.
Das niedergeschriebene Wohnrecht umfasste die Nutzung von drei Räumen, das heiz und sperrbaren Hofstübel, die Stubenkammer und die angrenzende Röhrenkammer. In der Vereinbarung wurde festgelegt, dass die Räume stets in einem gut bewohnbaren Zustand vom Kramlbauern zu unterhalten sind. Für die Beheizung der Räume erhielt sie jährlich 9 Ster Scheitholt (1,5 Fuß lang = ca- 40cm), 3 Ster Knittel und 50 Bürden Weid.
Zudem mussten jährlich 200 Liter Weizen und 132 Liter Korn geliefert werden, das auch zu einer der naheliegenden Mühlen gebracht werden musste. Die Ramsdorfer Bauern lieferten ihr Getreide meistens nach Mühlthal. Zur Versorgung gehörten auch Äpfel, Birnen und Zwetschgen, 100 Liter Kartoffeln, 3 Schüssel Kraut und Rüben sowie zu Weihnachten 6 Pfund Schweinefleische, alle Vierteljahr 6 Pfund Schmalz und 2 Pfund Butter sowie täglich 1 Ei und 2 Liter gute Milch.
Auch das Recht zur Mitbenutzung des Wäsche- und Backhauses waren geregelt und was zu tun sei bei Pflege bei Krankheitsfällen. Sollte Katharina ihr Wohnrecht nicht mehr nutzen können, musste dies mit 40 M jährlich sowie mit 10 Pfennigen pro Liter Milch vergütet werden. Die sonstigen Naturalien müssten ihr sogar bis zu einer Entfernung von 3 km nachgeliefert werden. Dies bezog sich sicherlich auf das 3-km entfernte Armenhaus in Kay, das Pflegebedürftige zu dieser Zeit in Kay betreute.
Vom Kaufpreis konnte der Kramlbauer (Lechner) 4.500 Mark in bar bezahlen. Für den Rest von 5.000 Mark musste eine Hypothek aufgenommen werden. Die vereinbarten Dienstbarkeiten waren ebenfalls im Hypothekenbuch verbrieft.
Im Jahr 1898 verkaufte Georg 3 ha Ackerland. Der Verkauf des Ackerlandes hing sicherlich mit dem Umbau des Hofes und der Rückzahlung der Hypothek zusammen. Denn im Jahr 1899 wird der Kuhstall und der Ochsenstall erneuerte und der Getreidestadel verschoben. Zudem tauschte wurden einige Flächen zwischen den Höfen vertauscht.
1905 erhielt die Tochter Helena Lechner den Hof als Mitgift. Als Wert wurde 13.500 M veranschlagt. Durch die Heirat von Helena mit Johann Gierlinger wurde dieser Miteigentümer, wie es damals üblich war. Vom Bruder, der den Kramlhof übernommen hat, wurden im Jahr 1906 noch eine Fläche von 1,1 ha übergeben.
Der Brandlhof in neuerer Zeit
Der Brandlhof war von seiner Größe und Bewirtschaftungsform ein typischger Hof im Rupertiwinkel. Für das Ackern und den Transport wurden Ochsengespanne eingesetzt, nur in der Zeit zwischen 1910 und 1915 gab es Zugpferde. Um 1930 produzierte man am Hof noch alle möglichen landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Zu dieser Zeit lebtenn am Hof 8 Personen, Johann und Helene Gierlinger, der Sohn, die Großeltern (Gierlinger) sowie zwei Mägde und ein Knecht.
Johann Gierlinger war moderner Technik sehr aufgeschlossen, erkaufte 1939 den ersten Traktor in Kay – einen Fendt mit 22 PS, sowie einen Zweischarpflug.
Johann Gierlinger (Hans) wurde im 2. Weltkrieg zur Wehrmacht eingezogen. Als Aushilfe kamen amerikanische und französische Kriegsgefangene, die im Zuhaus untergebracht und von zwei Wehrmachtsposten bewacht wurden. Hans Gierlinger kehrte im Herbst 1945 unversehrt aus russischer Gefangenschaft zurück. Um 1980 hatte der Brandlhof einen Viehstand von 21 Kühe, 8 Kälber und 15 Stück Jungvieh. Im Jahr 1930 waren es noch 6 Kühe, 4 Kälber, 2 Schweine und Kleinvieh.
Bauliche Entwicklung
Der Hof ist nach mündlicher Überlieferung um 1700 entstanden, allerdings wird der Brandlhof im Familienbuch schon um 1632 erwähnt. Bauliche Veränderungen gab es wohl um 1829, wie die angebrachte Jahreszahl am First des Stadels verrät. Der Troadkasten soll ebenfalls aus dieser Zeit stammten.
Im Jahr 1897 erbaute man die Kuhstallung (8,7 x 14,5m) neu und wurde etwas gedreht, wie der erhaltene Lageplan verrät, so dass er nun rechtwinklig zum neuem Ochsenstall stand. Im Jahr 1900 wurde der Ochsenstall (19,3m x 12,5m ) neu gebaut und der Getreidestadel nach Süden hin verschoben. Das alte Backhäusl und die Hütte mit Getreidekasten (14 x 6,5m) wurden 1921 abgebrochen. An der Ostseite des Vierseithofes wurde dann ein neues Zuhaus erbaut, das durch ein Schiebetor mit dem Wohnhaus verbunden wurde.
Der Ochsenstall wurde 1930 mit einem Gewölbe den sogenannten böhmischen Kappen versehen sowie eine Remise und eine Durchfahrt eingebaut. Aus Brandschutzgründen fügte man zwischen Wohnhaus und Stadel eine Ziegelmauer ein. Im Jahr 1942 wurde südlich des Kuhstalls eine Holzhütte und eine Scheune errichtet. 1954 wurde der Kuhstall nach Süden hin erweitert. Das Zuhaus wurde 1970 vollständig abgebrochen und etwas entfernt nördlich zur Straße hin ein neues Wohnhaus errichtet. Dadurch ging die traditionelle Form des Vierseithofes verloren.
Das ehemalige Wohnhaus
Das alte Wohnhaus (3,2 x 10,9m) bis zur Brandmauer wurde in den 70iger Jahren abgebrochen und in das Freilichtmuseum auf der Glentleiten überführt. Das Obergeschoß ist ein Blockbau mit umlaufendem Altan (Balkon). Auf der Gibelseite und Südseite war der Balkon mit aufwendig gedrechselten Balustergeländer versehen. Die Fußböden in der Küche, im Flez (Gang) und in der Speis sowie in der Sommerkuchel waren gefliest. In allen übrigen Stuben und Kammern (Schlafzimmer) waren Holzdielen. Wände und Decken im Erdgeschoß waren verputzt, im Obergeschoß aus Holz. Das Dach war bis 1913 mit Legschindeln gedeckt.
Das Elternschlafzimmer der Bauersleute befand sich über der Stube. In der hiesigen Region wird sie auch als Schökammer bezeichnet. Außerdem blieb eine Truhe erhalten mit dem Namen Josef Brandl und der Jahreszahl 1789. Im Familienbuch des Brandlhofes findet sich allerdings kein Brandl mit diesem Vornamen. Um diese Zeit ist jedoch ein Joseph Eder aufgeführt, der 1748 geboren ist.
