Im Jahr 1915 wurde in der Friedhofmauer der St. Martin Kirche in Kay ein römischer Grabaltar entdeckt. Er besteht aus hellbraunem Kalkstein vom Untersberg. Das obere aufgefundene Fragment hat eine Höhe von 71cm, eine Gesimsauslage von 64cm und eine Tiefe von 44cm. Der römische Grabstein ist aktuell im Museum in Tittmoning aufbewahrt.
Der reich verzierte Grabstein könnte von den Angehörigen der römischen Gutshöfe (Villa rustica) in Kay/Mühlham oder Ramsdorf gestiftet worden sein und ist in das frühe 3. Jahrhundert zu datieren, wie Erwin Müller (1) vermutet. Die noch vorhandene Inschrift lautet: D(is) M(anibus) (Ma)RCELINUS, was übersetzt „Den Göttern der Unterwelt Marcelinus“ ….. bedeutet.
Die linke Seite zeigt in einer Nische das stark beschädigte Bildnis einer Frau, dem in der rechten dasjenige eines Mannes entspricht. Auf dem Deckgesims des Steines ruht ein Aufsatz mit Reliefdarstellungen, die sich mit dem Tod und dem Leben im Jenseits beschäftigen. In der Mitte (oben) auf der Vorderseite ist ein Korb mit Früchten dargestellt. Auf der linken Seite sieht man einen Hasen, an der gegenüberliegenden Seite pickt ein Vogel an Beeren und Trauben. Die seitlichen Flächen des Frieses sind mit Vogelpaaren geschmückt, die aus Fußschalen trinken
Die beschädigte Oberseite des Steines scheint früher wohl als Baustein gedient zu haben, ehe sie in der Friedhofsmauer verbaut wurde.
Literatur
(1) Erwin Keller (1984). Der Grabstein von Kay, in Tittmoning in römischer Zeit, Führer zur archäologischen Denkmälern in Bayern, Oberbayern 1; S26-27
(2) Obermayr (1974). Corpus Signorum Romani
(3) Friedrich Wagner (1928). Die Römer in Bayern. Vierte durchgesehene und erweiterte Auflage.
