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Das Schneiderhäusl in Kay

4. Februar 20264. Februar 2026By Gerhard Huber
Das Schneiderhäusl in Kay

Das Schneiderhäusel hat seinen Namen von Schneidermeister Joseph Amann, der das Gütl im Jahr 1876 kaufte und dort eine Schneiderei einrichtete. Schon seine Vorfahren betrieben das Schneiderhandwerk. Der älteste bekannte Vorfahre ist Phillip Bramel (Prambl) aus Tyrlaching (1). Sein Sohn Bartholomeus Bramel war ebenfalls Schneidermeister, er heiratet 1759 Maria Hofbauer. Ihre Eltern waren Andreas Hofbauer und Magdalena Hofbauer aus Asten (Urbatschgütl)(5). Gemäß dem Taufbucheintrag ihres Sohns Simon Bramel (2) waren sie in Kay ansässig.
Simon Bramel (Prambl, *1762) erlernte ebenfalls das Schneiderhandwerk und verheiratete sich 1785 mit Elisabeth Schweiger aus Tettenhausen, die aber schon im Jahr 1788 verstarb. Simon Bramel, der in Salling wohnte und wohl auch eine Werktstatt dort hatte, heiratete dann im Jahr 1790 die Zimmermannstochter Elisabeth Feichtner aus Tittmoning. Ihre Tochter Theres Bramel verehelichte sich 1831 mit dem Schneidermeistersohn Pankraz Baderhuber (*1800) aus Tyrlaching. Pankratz Baderhuber war viele Jahre Hochzeitslader (Progader) und Bruderschaftsdiener in Kay und bei den hiesigen Einwohnern sehr angesehen.

Im Jahr 1836 kauften die Eheleute das Irlmoier-Haus in Hausmoning (Jellmeier, ht.Bes. Franz Schild). Pankraz Baderhuber verstarb am 27. Dez. 1854 im 54. Lebensjahr beim Hochzeitsladen in Bergham (beim Seidel). Die Witwe Theres Bramel, die keine Schneiderin war, verkaufte daraufhin das Schneiderrecht um 200 Gulden an einen Schneidergehilfen aus Tyrlaching, jedoch mit der Auflage, dass es zurückgekauft werden kann, falls die Tochter Therese Baderhuber (*1834) einen Schneider heiratet.

So kam es dann auch, als Therese Baderhuber den Schneider Joseph Amann zum Ehemann nahm. Joseph Amann lernte bei Schneidermeister Kaspar Kunstmann in Tittmoning und arbeitete einige Jahre als Geselle bei Pankraz Baderhuber. Er musste allerdings im Oktober 1854 bis 1860 zum Militärdienst nach München. Nach seiner Rückkehr heiratete er Therese Baderhuber, so dass sie das Schneiderrecht wieder zurückkaufen konnten. Joseph Amann war ebenfalls 30 Jahre lang als Hochzeitslader und Bruderschaftsdiener sowie als Fähnrich bei der Landwehr eingesetzt. Therese und ihr Mann hatten insgesamt 13 Kinder. Allerding erreichten nur drei Söhne und zwei Töchter das Erwachsenenalter. Im Jahr 1876 kauften die Eheleute das Schneiderhäusl in Kay. Über den Erbauer ist leider nichts bekannt.

Ihr Sohn, der ebenfalls Joseph hieß (*19.01.1869), erlernte das Schneiderhandwerk bei Schneidermeister Eckert im nahegelegenen Tittmoning. Und wie es früher üblich war, ging er nach seiner Freisprechung im Jahr 1885 für 7 Jahre auf die Walz. In verschiedenen Städten verdiente er seinen Unterhalt, so auch in München und zuletzt in Trostberg bei der Schneider-Witwe Abele. Als seine Mutter Therese am 2. März 1892 im Alter von 58 Jahren starb, holte ihn sein Vater zurück und übergab ihm das Schneidergeschäft in Kay.

Am 30. Mai 1899 heiratete er die Näherin Rosina Konrad aus Mühlham (Eltern: Matthäus Konrad und Elisabeth, geborene Sinzinger). Joseph Amann arbeitet fortan in der Herren- und Rosina in der Damenschneiderei. Ihr Gütl in Hausmoning, verkauften sie erst im Jahr 1909 und zogen nach Kay ins Schneiderhäusl. Gegenüber errichteten sie 1912 eine zusätzliche Werkstatt. Bereits 1923 musste die neue Schneiderwerkstatt vergrößert werden. Zusätzlich wurde ein Kramerladen eingerichtet.

Joseph und Rosina hatten 6 Kinder (2 Söhne, 4 Töchter), die alle im Schneiderhandwerk tätig waren. Ein Sohn wurde Schneidermeister in Eisenerz (Gmd. Siegsdorf), eine Tochter ging nach Amerika ebenso wie Sohn Karl. Er kehrte aber 1931 wieder nach Kay zurück. Nach seiner Meisterprüfung übernahm er die Herrenschneiderei von seinem Vater. Tochter Rosina übernahm die Damenschneiderei und den Kramerladen, der 1960 aufgegeben wurde. Im Dorf nannte man sie die Schneider Rosl. Die Tradition der Schneiderei fand eine Fortsetzung in ihrer Nichte Marille Bleibinger, die nicht weit entfernt vom Schneiderhäusl wohnte und bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 2024 für viele Kayer kleine Näharbeiten erledigte.

Literatur und Quellen

(1, 2) Tauf- und Traubücher, Kirchenarchiv Kay: https://digitales-archiv.erzbistum-muenchen.de

(3) Joseph Amann (1942). Seit 175 Jahren Schneiderfamilie, in Rundschau Deutsches Schneiderfachblatt, Nr. 11/12, Seite 115

(4) Fritz Pinzinger (2010). Heimatkalender 2010

(5) Dorfgemeinschaft Asten (2016). Urbatsch Asten, in Heimatbuch der ehemaligen Gemeinde Asten. S.376-378

Titelbild:  Schneiderhäusl (links), Werkstatt (rechts). Das rechte Gebäude wurde abgerissen und durch ein Holzhaus ersetzt (Quelle: Heimatkalender 2010, Fritz Pinziger)

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