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Der Panzerstecher bei Murschall

By Gerhard Huber

Ein Bauer aus Murschall (bei Lanzing) hat um 1830 ein Schwert gefunden. Die Beschreibung wurde von Grenzkontrolleur Christoph Sedelmaier im oberbayerischen Archiv für vaterländische Geschichte veröffentlicht.

Zeitliche und sonstige Interpretationen sind im Rahmen des damaligen Wissenstandes einzuordnen.

Fundbericht:

Murschall, Weiler im königl. Landgerichte Tittmanning, zur Pfarrei Kay und Filial Lanzing gehörend, eine Stunde von Tittmanning entfernt. Hier fand der Bauer Huber von Murschall vor mehreren Jahren auf seinem Grunde und Boden eine lange, spitze Stoßwaffe aus dem Ende des Mittelalters. Sie ist drei Fuß 11 Zoll lang; davon hat der Griff nur 4 1/2  Zoll , die Klinge aber 3 Schuh 6 1/2 Zoll Länge. Die den Griff von der Klinge trennende Spange ist auf einer Seite um wenigstens 1/2 Zoll länger, als auf der anderen. Der Griff ist mit Messingdraht umwunden und hat statt des Knauf ebenfalls eine Spange, wahrscheinlich um fester in der Hand zu liegen.

Ich halte diese Waffe, welch sich in meiner Sammlung befindet, für eine sogenannten Panzerrenner oder Panzerstecher, wie sie im Anfange des 16. Jahrhunderts im Gebrauche waren und da sie in Spanien zuerst angewendet wurden, auch den Namen spanische Panzerstecker, Panzertrenner und Panzerrenner erhielten. In dem kampflustigen Deutschland wurde diese Waffe gar bald angenommen und verbreitet, aber ebenso bald wieder durch kräftigere Waffen, nämlich durch breite Schwerter, zum Hieb und Stoß geeignet, verdrängt.

Auf beiden Seiten der Klinge besagter Stoßwaffe befindet sich als Fabrikzeichen eine gekrönte Lilie.

Quelle: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte. Band 1, 1839

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